Dein Thema des Tages
00:00:03: Trigger-Warnung Dieser Podcast thematisiert sexuelle Gewalt und das Zuschreiben von Schuld auf Betroffene.
00:00:09: Wenn diese Themen für dich belastend oder retraumatisierend sein können, höre sie bitte nicht alleine an!
00:00:15: Er ist doch selbst schuld, er ist nicht direkt zur Polizei gegangen – Sie hat ihn provoziert, sie hat ein kurzes Kleid an.
00:00:22: Kommen euch solche Aussagen bekannt vor?
00:00:24: Es kommt zu einer Straftat und es ist bekannt wer sie begangen hat….
00:00:28: Trotzdem fragen wir uns, was hat das Opfer gemacht um in eine solche Lage zu kommen?
00:00:33: Wir schieben dem Opfer also eine Verantwortung zu.
00:00:36: Es sei selbst Schuld oder zumindest Mitschuld an den begangenen Unrecht.
00:00:40: Diesen Prozess nennt man Victim Blaming.
00:00:42: Dazu erzähle ich euch heute mehr bei ... Menschen glauben in der Regel an eine gerechte Welt.
00:01:03: Wir gehen davon aus dass guten Menschen Gutes passiert und schlechten Menschen Schlechtes.
00:01:08: Diese Art zu denken, gibt uns das Gefühl, Kontrolle zu haben.
00:01:11: Wenn wir uns richtig verhalten, dann wird uns auch Gutes passieren!
00:01:15: Wenn wir aber doch mal einen Fall von Ungerechtigkeit sehen, dann greift aus unseren Glauben eine gerechte Welt an.
00:01:21: Das möchten wir aber nicht – was wir tun um diesen Glaube aufrechtzuerhalten?
00:01:26: Darüber habe ich mit Matthias Zwerdawski gesprochen.
00:01:28: Er ist Sozialpsychologe an der LMU München und forscht unter anderem zum Thema Victim Blaming.
00:01:34: Solche Verhaltensvarianten sind eben… dem Opfer zu helfen, Geld zu spenden usw.
00:01:41: Als irgendwas für das Opfer zutun.
00:01:42: eine andere Verhaltensweise wäre wenn es ein Täter-Opfer-Situation ist dass man den Täter bestraft.
00:01:47: Es kann aber auch sein dass diese Verhaltungsreaktion nicht dazu führen dass wir wieder einen gerechte Weltlauben herstellen zum Beispiel Wenn wir nicht wissen wer der Täter ist oder wenn wir dem Opfern nicht direkt helfen können.
00:02:01: In solchen Situationen neigen wir eben zu kognitiven Reaktionen.
00:02:04: Eine kognitive Reaktion ist eben unter anderem victim blaming und durch diese kognitiere Umstrukturierung ist dieser gerechte Weltglauben nicht mehr so stark erschüttert, durch das was passiert ist.
00:02:17: Wie sagen also vielleicht war es gar nicht so schlimm was passiert?
00:02:21: Wir schieben dem Opfer die Schuld zu um unseren Glaubenangerechtigkeit wieder herzustellen.
00:02:26: Es gibt einen Bereich, in dem diese Form der Schuldzuweisung besonders präsent ist und zwar ein Bereich des sexuellen Missbrauchs.
00:02:34: Wenn es darum geht ob ein sexueller Kontakt freiwillig war oder nicht dann stehen sich oft zwei Aussagen gegenüber und dabei gibt es häufig keine objektiven Hinweise darauf wer Opfer und Wertheater ist.
00:02:47: um darüber trotzdem entscheiden zu können greifen Menschen auf allgemeine gesellschaftliche Vorstellungen über sexuelle Gewalt zurück.
00:02:55: Es gibt drei Stereotypen, die viele im Kopf haben.
00:02:58: Das Real Rape Stereotype geht davon aus, dass man alleine durch eine dunkle Gasse geht – ein fremder Mann hervorspringt und einen mit einem Messer bedroht!
00:03:07: Das Real-Wiktimstereotyp beschreibt, das ein echtes Opfer sich körperlich gegen den Täter wehrt und direkt nach der Tat zur Polizei geht und Anzeige erstattet.
00:03:16: Mit dem Credible Witness Stereotüb geht das Opfer dann als überzeugend wenn es emotional über den Vorfall spricht….
00:03:24: Diese drei Stereotypen beschreiben die sogenannte ideale Vorstellung einer Vergewaltigung.
00:03:29: Je eher ein sexueller Übergriff diesen Stereotypen entspricht, desto eher wird dem Opfer geglaubt.
00:03:35: Ist das nicht der Fall wenn das Opfer zum Beispiel im eigenen Zuhause vergewaltigt wird oder ein Bekannter der Täter ist?
00:03:42: Dann wird häufig gesagt es ist keine echte Vergewaltung!
00:03:46: Das Opfer muss etwas getan haben um den Täter zu provozieren.
00:03:50: dabei weichen die meisten Vergewältigungen von diesem Stereotype ab.
00:03:53: Es handelt sich um sogenannte Vergewaltigungsmythen.
00:03:57: Beispiele dafür sind, dass alle Frauen den geheimen Wunsch haben vergewaltigt zu werden oder sie den Vorwurf einer Vergewaltung nutzen, um sich an Männern zu rächen.
00:04:06: Barbara Grahe ist Professorin für Sozialpsychologie im Ruhestand an der Universität Potsdam.
00:04:12: Sie beschäftigt sich mit dem Thema sexuelle Gewalt und mit der Frage warum opfern sexueller Gewalt häufig eine Mitschuld gegeben wird
00:04:20: Weil man sie in sehr vielen Fällen an der Realität messen kann und dann eben feststellen kann, dass es falsche Vorstellungen sind.
00:04:27: Zum Beispiel wissen wir schon lange, dass die Mehrzahl der sexuellen Übergriffe nicht etwa zwischen Fremden in einer dunklen Gasse passieren sondern zwischen Menschen, die sich kennen – in Kontexten, in denen man sich eigentlich nicht bedroht fühlen
00:04:41: würde.".
00:04:42: Es gibt auch Unterschiede in der Wahrnehmung des Missbrauchs je nach Geschlecht.
00:04:46: Männer sind häufig solidarisch mit männlichen Tätern, weil es in den meisten Fällen um Übergriffe von männlichen Tätern auf weibliche Opfer geht.
00:04:54: Sie beurteilen das Verhalten in der Regel weniger streng – aber auch Frauen sind nicht davon ausgenommen, weiblichen Opfern die Schuld zuzuweisen.
00:05:02: Das liegt häufig daran, dass sie selbst Angst vor sexuellen Übergriffen haben.
00:05:07: Wenn sie erfahren, dass einer anderen Frau etwas so Schreckliches passiert ist, dann fühlen sie sich unsicher!
00:05:13: Und um diese Angst zu verringern, wird auch hier das weibliche Opfer verantwortlich gemacht.
00:05:17: Man distanziert sich also von dem Opfer und denkt man selbst hätte bestimmt ganz anders gehandelt.
00:05:23: Die Person hat etwas falsch gemacht, was man nicht falsch machen würde.
00:05:27: Deshalb muss man sich nicht betroffen fühlen!
00:05:29: Die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst missbraucht wird, wird dadurch vermeintlich geringer.
00:05:34: Victim Blaming stoppt auch nicht bei der Polizei oder juristischen Instanzen.
00:05:39: Die Stereotype leben auch in ihren Köpfen weiter.
00:05:42: Dafür gibt es einen Begriff, nämlich die sekundäre Victimisierung.
00:05:46: Nach der eigentlichen Tat durch die das Opfer geschädigt wird kommt es zu einer zweiten Schädigung durch Fehlreaktionen von außen.
00:05:53: So verschwinden die Fälle häufig aus der weiteren juristischen Verfolgung.
00:05:57: Dennoch hier fragt man sich hat des Opfer selbst etwas zur Tat beigetragen?
00:06:01: Barbara Krahé sagt hierzu...
00:06:06: Lücke im Hinblick auf Sexualdelikte, das eben nur ein ganz kleiner Teil auch der angezeigten Fälle dann überhaupt dazu führt dass es zu einer Gerichtsverhandlung kommt und dann wiederum dass es zur Verurteilung kommt.
00:06:19: Und diese Schwundquote die ist bei Sexualdelikten einfach viel größer als bei vergleichbaren anderen Delikten.
00:06:24: Jede sechste Frau berichtet von sexueller Gewalt aber nun ein Bruchteil davon wird angezeigt.
00:06:30: jede zweite Frau hat psychische Gewalt in Partnerschaften und Ex-Partnerschaften erlebt.
00:06:35: Bei körperlicher Gewalt ist es jede fünfte, dabei liegt die Anzeigequote bei weniger als fünf Prozent.
00:06:42: Der Einfluss von Vergewaltigungsmythen kann durch das Heranziehen von Verantwortung verringert werden.
00:06:47: Dass es zu so wenigen Anzeigen kommt, liegt ebenfalls daran, dass auch die Betroffenen selbst oft Stereotypen in den Köpfen haben.
00:06:55: Ein großer Anteil an Frauen, denen ein sexueller Übergriff passiert ist, sehen sich nicht als Opfer.
00:07:02: Auch dafür hat Krahe ein Beispiel ...
00:07:04: Das bekommt man!
00:07:05: In der Forschung dadurch raus, dass man auf der einen Seite fragt sind ja schon mal ganz bestimmte Dinge passiert.
00:07:11: Zum Beispiel hatte ich schon einmal jemand unter Einsatz oder Androhung von Gewalt zu sexuellen Handlungen gezwungen und dann die befrackten Ja-oder Nein sagen und irgendwann ein bisschen später fragt man sie dann Bist du schon mal Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden?
00:07:27: Und dann kann man zeigen, dass bis zu sechzig Prozent der Frauen die erste Frage bejahen.
00:07:31: Ist die denn auf die Frage sind sie sich schon mal opfer eines sexyllen übergriffs geworden mit neuen
00:07:35: Antworten?".
00:07:36: Die Unterschiede sind also erheblich!
00:07:39: Wenn man sich selbst nicht als Opfer sieht, dann ist es weniger wahrscheinlich das man damit zur Polizei geht oder sich an die Öffentlichkeit und an das soziale Umfeld wendet.
00:07:48: Wichtig sind darum auch Hilfestellen, die Opfern zur Seite stehen.
00:07:52: Die größte Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer in Deutschland ist der Weiße Ring.
00:07:57: Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen begleiten die Betroffenen persönlich und klären sie über ihre Rechte und Möglichkeiten auf.
00:08:04: Vom Anwalt bis zu Therapie werden die Opfer beraten.
00:08:07: Über seine Erfahrungen mit Victim Blaming habe ich auch mit Kai Frass gesprochen, er ist ein ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Weißen Ring.
00:08:19: Auch er erlebt Victor Blaming bei seiner Arbeit.
00:08:48: Wiktion Blaming hat viele Facetten und kommt nicht nur bei Sexualdelikten vor.
00:08:53: Im Jahr ist es im Jahr zwanzig, haben zweihundertfünfundsechzigtausend neunhundertzweiundvierzig Menschen häusliche Gewalt erlebt.
00:09:00: Nach dem Bundeskriminalamt ist das ein neuer Höchststand.
00:09:03: Häusliche gewalt kann sowohl von Partnerinnen als auch von Familienangehörigen ausgehen.
00:09:09: Die Dunkelziffer ist hier sehr hoch – denn die meisten Übergriffe finden im eigenen Zuhause hinter verschlossener Tür statt!
00:09:16: Vor Gericht steht dann Aussage gegen Aussage.
00:09:19: Wenn es um Partnerschaftsgewalt geht und Kinder mit dem Spiel sind, kommt es häufig zu ähnlichen Vorwürfen.
00:09:25: Die Norm ist dass das Kind mit beiden Elternteilen in Kontakt bleiben soll.
00:09:29: Wenn ein Elternteil das verweigert heißt man möchte die Beziehung des anderen Partners zu den Kindern sabotieren.
00:09:35: Es wird also kein juristischer Fokus darauf gelegt wie das betroffene Elterinteil geschützt werden kann.
00:09:40: Dazu kommen besonders bei häuslicher Gewalt viele Vorteile auf.
00:09:45: Warum bist du bei ihm geblieben?
00:09:46: Darüber hab ich auch mit Herr Frass gesprochen.
00:09:49: Er hat mir dazu erzählt ...
00:09:51: Der Täter kommt nach Hause, er hat Heizeifrau niederblühtet.
00:09:56: Dann kriegt er von der Polizei einmal einen Platz vor Reis und nach dieser Zeit kommt er, tut mir leid, ich war betrunken, ich wollte das nicht.
00:10:07: Es kommt nie mehr vor!
00:10:09: Und des Opfer muss sie klar sein.
00:10:10: Selbstverständlich hat sie es recht sich wieder auszusöhnen Aber wir können sagen, dass in achtzig Prozent dann das Opfer wieder da sitzt bei uns.
00:10:21: Herr Frasser zählt mir außerdem, dass die Täter das Victim Blaming für sich nutzen?
00:10:26: Die Täter wissen mit dieser Umkehr haben sie Chancen besser rauszukommen – vielleicht mit einer Belährungsstrafe oder einer Geldstrafe!
00:10:35: Also dies hat sich erhöht.
00:10:37: Sommer von hundert Fällen waren es vorher vierzig jetzt sind es sechzig.
00:10:43: Neben sexuellem Missbrauch und häuslicher Gewalt kommt Victim Blaming auch in vielen weiteren Fällen vor.
00:10:49: Ob es um Rassismus, Homophobie oder Mobbing geht tendiert die Gesellschaft dazu dem Opfer die Schuld zuzuschreiben.
00:10:56: Opfer sind nie selbst schuld an dem was sie erlebt haben.
00:10:59: Darum ist es wichtig den geschädigten Vorteils frei entgegenzutreten Und ihnen zuzuhören ihn seine Hilfe anzubieten und gegebenenfalls zur Polizei und anderen Hefestellen zu begleiten.
00:11:10: Wenn ihr selbst Opfer von Kriminalität oder Victimblaming seid, dann könnt ihr euch bei dem weißen Ring Unterstützung holen.
00:11:17: Ihr könnt sie unter dem Opfer-Telefon, elevensechs, nullnull sechs erreichen.
00:11:23: Mehr Informationen findet ihr auf weißerminusring.de.